Pius Felder

P r a x i s     f ü r     K l a s s i s c h e     H o m ö o p a t h i e

Covid-19


Wichtiger Hinweis: Die Anwendung homöopathischer Arzneien gehört in die Hände erfahrener Homöopathen/Homöopathinnen und ist nicht zum Eigengebrauch geeignet.


Als Homöopath durfte ich zahlreiche positiv auf Covid getestete Patienten behandeln. Alle genasen innert 24 bis 48 Stunden. Eine Patientin litt seit der Infektion im Februar 2020 an Lungenbeschwerden. Auch diese Beschwerden konnten innert wenigen Tagen behoben werden.


Die fieberhafte Suche nach wirksamen Medikamenten zur Behandlung von Covid-19 geht intensiv voran. Arzneien wie Remdesivir, Antikörper-Cocktails, Gerinnungshemmer, entzündungshemmende Immunsupressiva wie Dexamethason usw. machen Hoffnung, aber haben noch keinen Durchbruch gebracht.

Wenn man die untenstehenden Untersuchungsberichte durchliest, so bietet sich damit eine Alternative an.


Folgender Beitrag ist aus der renommierten Fachzeitschrift ‘Spektrum der Homöopathie’, 1/2021 entnommen und beleuchtet die weltweiten und positiven Untersuchungsergebnisse homöopathischer Arzneien bei der Behandlung von Covid-19, deren Prophylaxe und der Behandlung von Covid-Langzeitfällen.


Rajan Sankaran und Kollegen

LOCKED DOWN IN DER EIGENEN WELT

Camphora und homöopathische Ansätze bei Covid-19


ZUSAMMENFASSUNG: Aufgrund der guten Resultate bei der Behandlung von Covid-19 im Iran und in Indien empfahl der Autor frühzeitig Camphora als epidemisches Mittel, das seither auch zur Prophylaxe erfolgreich eingesetzt wird. Camphora entspricht dem Genius epidemicus auf der Basis der Krankheitsdynamik und der Symptomatik auch schwerer Fälle ebenso wie auf der Ebene der Empfindung. An Fallbeispielen werden drei verschiedene homöopathische Behandlungsansätze vorgestellt. Dabei beruht die Arzneiwahl entweder auf dem Genius epidemicus oder auf der Totalität der individuellen Symptome oder es ist das Konstitutionsmittel angezeigt.


Prophylaxe für Corona: Als im Februar 2020 in Indien die COVID-Erkrankungen anstiegen, fragten mich immer mehr Leute nach einem vorbeugenden Arzneimittel. Da ich damals noch keinen einzigen einschlägigen Fall behandelt hatte, konnte ich mich zu keinem Mittel äußern und etwas Zuverlässiges darüber berichten. So sagte ich meinen Patienten gewöhnlich, dass ihr eigenes Mittel auch vorbeugend gegen COVID wirken würde. Als die Zahl der Erkrankungen weiter stieg, stieg auch der Druck, ein spezifisches Vorbeugungsmittel zu finden.


Akute Fälle im Iran: Irgendwann im Februar oder März rief mich meine ehemalige Studentin, Dr. Aditya Kasariyans, aus dem Iran an. Sie erklärte, dass viele Menschen von dieser Infektion befallen seien, dass die Krankenhäuser mit positiven Fällen überschwemmt würden, und fragte mich, ob ich ihr bei ein paar Fällen weiterhelfen könnte. Ich sah das als eine Gelegenheit an, nicht nur diesen Patienten zu helfen, sondern auch ihre Fälle im Detail zu studieren und zu sehen, ob wir einen Genius epidemicus finden könnten. Mit den detaillierten Symptomen der ersten zehn von Dr. Adityas Fällen gelangten wir zu einer Totalität. Die Analyse dieser Fälle zeigte Camphora als Genius epidemicus an.

Verschreibung und Verlauf: Wie Sie sehen, schob sich Arsenicum album im Gesamtergebnis nach oben, doch konnten wir nicht die typische Ruhelosigkeit von Arsenicum album ausmachen. Eher schon stach der plötzliche Kollaps heraus, der für Camphora typisch ist. 45 Patienten erhielten Camphora, und 30-35 Patienten erlebten im Anschluss eine erfreuliche Genesung. Im März schrieb Dr. Aditya: „Wir haben mit der Behandlung mit Camphora bei Patienten begonnen, die sich in verschiedenen Krankheitsstadien befanden. Von jenen, die gerade erst Symptome bekommen hatten, bis hin zu jenen, die schon sehr krank waren oder Komplikationen aufwiesen.”



CAMPHORA ALS EPIDEMIEMITTEL

Es erfolgte nahezu ausnahmslos eine spektakuläre Reaktion auf Camphora im Hinblick auf das allgemeine Energieniveau, extreme Erschöpfung und Übelkeit, Körperschmerzen, Atemnot und Husten, die bei 25 von 26 Patienten innerhalb der ersten 24 Stunden aufgetreten waren. Es gab einen echten und bemerkenswerten Anstieg des Gesundheitszustands und Energielevels wie auch der Sauerstoffsättigung des Blutes bei den schwerer Erkrankten. Insgesamt besserten sich die Symptome in den ersten 24-30 Stunden nach der Verschreibung um mindestens 40 Prozent. Fünf Patienten wurden ausschließlich homöopathisch behandelt, die anderen lagen im Krankenhaus und bekamen auch andere Medikamente, doch die Geschwindigkeit der Genesung nach der Einnahme von Camphora steigerte sich deutlich.


Camphora als Genius epidemicus im Iran und Indien: Einschließlich Dr. Aditya selbst wurde die Arznei 100 Personen verabreicht, die engen Kontakt zu COVID-positiven Fällen hatten, und kein Einziger davon entwickelte innerhalb von zwei Monaten nach Einnahme von Camphora irgendwelche Symptome. Somit hatte das Mittel auch als Prophylaktikum gewirkt. Ich muss klarstellen, dass diese 100 Personen nicht auf COVID getestet wurden, da im Iran nur zum Test zugelassen wurde, wer Symptome aufwies. Diese Studie legt nahe, dass Camphora der Genius epidemicus im Iran sein muss.


Es bestand jedoch die Möglichkeit, dass der Virus mutiert und COVID in Indien eine andere Form angenommen haben könnte. Um sicherzugehen, musste ich hier Fälle behandeln. Obwohl wir keinen Zugang zu Patienten in den Krankenhäusern für Infektionskrankheiten hatten, schafften wir es irgendwie, 10 Fallgeschichten telefonisch aufzunehmen, allerdings ohne etwas verschreiben zu dürfen. Viele dieser Fälle waren asymptomatisch. Bei den wenigen Personen jedoch, die Symptome aufwiesen, stellte ich fest, dass auch da Camphora indiziert war.


Unter den Untersuchten befand sich ein sehr munterer junger Mann, der keinerlei Anzeichen von Angst aufwies. Er behandelte das Krankenhaus fast wie einen Picknickplatz! Auf der anderen Seite gab es einen Mann, der kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen schien. Er hatte das Gefühl, als würden ihm Stromschläge durch die Glieder fahren. Bei der Repertorisation stand wiederum Camphora ganz oben. Der muntere junge Mann, der keine Schmerzen hatte, repräsentierte die Gegenseite von Camphora, die beinahe wie Opium, ein Anästhetikum, wirkt. Nach dem Studium beider Fälle folgerte ich, dass COVID-19 sich in Indien nicht viel anders präsentiert und Camphora genau wie im Iran als Epidemiemittel eingesetzt werden kann.

Vonseiten verschiedener Kollegen gibt es viele Vorschläge für einen Genius epidemicus, wie etwa Phosphorus, Arsenicum, Camphora, Bryonia usw. Manche schlagen eine Kombination aus verschiedenen Mitteln vor, wie sie in Kuba anfälligen Menschen von der Regierung zur Vorbeugung gegeben wird. Manche empfehlen einen Wechsel zwischen zwei oder mehr Mitteln zur Vorbeugung.


DIE GROSSFLÄCHIGE ANWENDUNG VON CAMPHORA ALS PROPHYLAKTIKUM

Seit dem Ausbruch von COVID-19 haben mehrere verschiedene Gruppen, Organisationen und einzelne Ärzte Camphora 1M als prophylaktisches Mittel auf der Grundlage des Hinweises verschrieben, dass es der Genius epidemicus sein könnte. Die zu- rückgemeldeten Resultate zeigen beträchtliche Erfolge bei der Reduktion sowohl der Infektions- als auch der Mortalitätsraten bei jenen, die Camphora 1M eingenommen hatten.


In Indien waren die Ergebnisse vielversprechend. Camphora 1M wurde an mehrere Kleinunternehmen und Gruppen in Aurangabad verteilt, und 5.000 Personen erhielten das Mittel. 700 davon waren als Personen mit höchstem Risiko eingestuft worden und 1.300 als Personen mit hohem Risiko. Seit das Mittel dort ausgegeben wurde, hat es keinen einzigen Bericht über einen COVID-19-Fall oder über einen Todesfall gegeben.


Eine weitere großflächige Verteilung von Camphora 1M wurde in Delhi unter der Leitung von Dr. A. K. Arun und seinem Team unternommen. Sie verteilten Camphora 1M an 36.064 Personen in den „Containmentzonen“ von Delhi K-2-Block, Nihal Vihar und Tilak Vihar. Anschließend leitete das Team Follow-ups im Zufallsverfahren ein, wobei null COVID-19-Inzidenzen festgestellt wurden. Eine statistisch bemerkenswerte Leistung, zumal von keinerlei anderen prophylaktischen Maßnahmen in dieser Region berichtet wurde.


Dhoot Transmission, ein in Indien ansässiges Privatunternehmen, verteilte Camphora 1M an 2.350 seiner Mitarbeiter an mehreren Standorten. Bis heute wurde aus dieser Gruppe kein einziger COVID-19-Fall gemeldet.


In Pune, einer Großstadt im indischen Bundesstaat Maharastra, wurde Camphora 1M an 9.000 Offiziere und Mitarbeiter der städtischen Polizei verteilt. Die Inzidenz- und Mortalitätsrate in dieser Gruppe wurde mit der der Polizeibelegschaft in Mumbai verglichen, die kein Prophylaktikum erhalten hatte. Dabei zeigten sich erhebliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Die Inzidenzrate lag in Pune bei 7 pro 1.000 im Vergleich zu 44 pro 1.000 in Mumbai. Und die Mortalitätsrate lag bei 0,2 pro 1.000 im Vergleich zu 0,6 pro 1.000, was die Wirksamkeit von Camphora 1M bestätigt.


Auf gleiche Weise wurde Camphora 1M international von verschiedenen angeschlossenen Ärzten ausgegeben, und auch dort ergaben sich signifikante Resultate. Ein solches Beispiel ist Rumänien. Die rumänischen Homöopathen verteilten Camphora 1M am 27. März 2020 an 1.700 Personen. 1.000 Personen aus dieser Gruppe waren Ärzte und Apotheker, die als Personen mit hohem Risiko gelten. Aus der ganzen Gruppe wurde noch kein einziger Fall von COVID-19 gemeldet. Das belegt eine Inzidenz- und Mortalitätsrate von Null bei Personen mit hohem Risiko.


Ein weiteres Beispiel ist Brasilien, wo Camphora 1M an mehr als 90 Prozent der Einwohner zweier Städte verteilt wurde. Beim Vergleich dieser beiden Gruppen mit den Statistiken aus anderen Städten mit ähnlicher Einwohnerzahl, die das Mittel nicht erhalten hatten, zeigte sich ein statistisch signifikantes Ergebnis zugunsten der Wirksamkeit von Camphora 1M.

Fazit: Das ist nur eine Auswahl aus den nach wie vor laufenden Projekten, in denen Camphora 1M als Prophylaktikum eingesetzt wird. Die eingehenden Resultate zeigen unverändert, dass Camphora 1M einen positiven Effekt als Prophylaktikum gegen COVID-19 hat.



DER GENIUS EPIDEMICUS

Wie definieren wir einen Genius epidemicus? Welches sind die grundlegenden Kriterien, um sagen zu können, dass dieses Mittel ein Genius epidemicus ist? Meiner Meinung nach müssen drei grundlegende Kriterien erfüllt sein:


1. Der Genius des Mittels muss zur Dynamik der Krankheit passen (wie sie in Phataks Materia medica unter Allgemeines angegeben wird). Der Genius von Arsenicum, zum Beispiel, ist Ruhelosigkeit, bei Belladonna ist es Plötzlichkeit mit Pochen. Dazu müssen wir uns an den schwersten Fällen der Krankheit orientieren und nicht nur an mild verlaufenden Fällen. Was ich in den schwersten Fällen dieser Krankheit gesehen habe, ist ein plötzlicher Kollaps. Diesen plötzlichen Kollaps findet man so deutlich bei keinem anderen Mittel als Camphora.


2. Das Nächste, was passen muss, ist die Symptomatik der schweren Fälle, die ich bereits in der Repertoriumsgrafik anhand von Symptomen dargestellt habe, welche Camphora indizieren.


3. Des Weiteren muss die Empfindung passen, und das hat mit den Naturreichen zu tun. Neben dem plötzlichen Kollaps zeigte sich eine Art Schmerzlosigkeit und sogar Heiterkeit. In vielen Fällen traten schlimme Lungenprobleme und Lungenentzündung auf, doch offensichtlich völlig ohne zu erwartende Symptome (wie bei Opium). Das ist die Qualität der ersten Unterklasse der Zweikeimblättrigen im Pflanzenreich, zu der neben Opium auch Camphora gehört.

Eine weitere gemeinsame Qualität der Mittel aus der ersten Unterklasse ist die Furcht, nach draußen zu gehen, die Furcht, bloßgestellt zu werden, und der Wunsch, in die geschützte Welt zurückzukehren. Genau das sehen wir überall im Lockdown.

Die Menschen haben solche Angst, dass sie sich abkapseln müssen wie in einem Kokon - in einem Lockdown. Bei Camphora findet man folgende Rubriken:


- Geist, Gemüt; WAHNIDEEN, Illusionen; Welt; sie habe ihre eigene kleine, in der die Dinge klar sind, außerhalb sei es unsicher

- Geist, Gemüt; WAHNIDEEN, Illusionen; Welt; neuen Welt, er bewege sich in einer

- Geist, Gemüt; WAHNIDEEN, Illusionen; Gefahr von


Die Empfindung der gesamten Epidemie muss dem Mittel entsprechen, das wir als Genius ausgewählt haben, und auch die Symptome müssen passen. Vor allem aber müssen Genius und Empfindung, Tempo der Erkrankung und Qualität des Mittels zu denselben Anzeichen passen, die sich in den schwersten Fällen finden.


INDIVIDUALISIERUNG CONTRA GENIUS EPIDEMICUS

In der homöopathischen Fachwelt gab es einige Debatten über die Verwendung eines Genius epidemicus. Einige hochrangige Homöopathen, wie Professor Vithoulkas, äußerten offiziell die Meinung, dass die ganze Idee von der Suche nach einem Mittel für COVID-19 irrelevant sei, da wir für jeden Patienten das individuelle Mittel finden müssen. Wenngleich ich damit übereinstimme, dass die Individualisierung, wo möglich, die bevorzugte Herangehensweise sein muss, gibt es doch einige Punkte, die für die Verwendung eines Genius epidemicus sprechen.


Nehmen wir zum Beispiel eine Verletzung oder einen plötzlichen Kummer. Bei jeder Verletzung würden wir an Arnica denken. Wenn jemand plötzlich eine geliebte Person verloren hat, würden wir an Ignatia denken. Würden wir jedoch den Fall detailliert aufnehmen, kämen wir mit Sicherheit zu einem ganz anderen Mittel. Warum individualisieren wir den Fall dann nicht gleich?

Die Verletzung oder der plötzliche Kummer sind etwas Neues, das zu diesem Zeitpunkt hinzugekommen ist: Ein Mittel wie Arnica oder Ignatia mildert nun den Schlag des äußeren Faktors ab und befähigt die Lebenskraft, besser damit zurechtzukommen.


Auch jede Epidemie ist solch ein Schlag. Sie trifft eine beträchtliche Anzahl von Menschen. Und sie hat eine bestimmte Eigenart (Muster). Mit einem Mittel, das zu dieser Eigenart, dem Grundmuster der jeweiligen Epidemie, passt, kann der Schlag präventiv und kurativ abgemildert werden. Der Genius epidemicus verringert die Heftigkeit des Schlags. Auf der anderen Seite steht die individualisierte Behandlung, die die Abwehrkräfte des Körpers gegen die Epidemie stärkt. Das ist wie bei jemandem, der von einer schweren Last niedergedrückt wird. Hier kann man versuchen, entweder das Gewicht zu verringern (das wäre der Genius epidemicus) oder die Kraft der Person zu steigern (das wäre der individuelle Ansatz) — beide Herangehensweisen können funktionieren.


Die Individualisierung wirft allerdings ein zweifaches Problem auf:

1. Ist der Schlag zu heftig, das Gewicht zu schwer, kann es passieren, dass die Stärkung der Person nicht genügt, um ihn abzuwehren oder die Last abzuwerfen. Mit anderen Worten:

Das individualisierte Mittel ist oft nicht in der Lage, mit der Intensität der Epidemie zurechtzukommen, sie zu bekämpfen. In solchen Fällen brauchen wir den Genius epidemicus.

2. Es braucht einen erfahrenen Homöopathen und viel Zeit, um in jedem einzelnen Fall mit einer ordentlichen Fallaufnahme das individualisierte Mittel zu finden. Damit wird die Möglichkeit eingeschränkt, viele Menschen zu behandeln.

Nach meiner Erfahrung hilft der Genius epidemicus in der Mehrzahl der Fälle wenigstens bis zu dem Punkt, an dem die Person außer Gefahr ist. Überdies sind Infektionen nur von kurzer Dauer, und wir müssen vor allem versuchen, die Mortalität zu senken. Indem er die Auswirkungen der Krankheit reduziert, kann der Genius epidemicus dies in vielen Fällen erreichen. Und im Gegensatz zur individualisierten Behandlung können wir den Genius epidemicus auch in asymptomatischen Fällen und sogar als Vorbeugungsmittel einsetzen.


DREI BEHANDLUNGSANSÄTZE FÜR COVID-19

Die Regierung und das AYUSH-Department von Indien haben es den Homöopathen jetzt erlaubt, COVID-Fälle ergänzend zum Standardprotokoll zu behandeln. Inzwischen werden viele Homöopathen von Krankenhäusern eingeladen, um COVID-Erkrankungen zu behandeln. Die meisten unserer Patienten mit einer COVID-Infektion haben darum gebeten, homöopathisch betreut zu werden. Angesichts der aktuellen Situation möchte ich einige meiner Erfahrungen weitergeben, die bei der Behandlung von COVID-positiven Fällen geholfen haben.

Aus homöopathischer Sicht auf COVID-19 können wir drei Symptomgruppen unterscheiden. Zur ersten Gruppe gehören einige Symptome, die der Pandemie an sich eigen sind.


In der zweiten Gruppe finden wir sehr ausgeprägte akute Symptome. Akute Symptome sind jene, die erst seit Beginn der Infektion aufgetreten sind; sie waren zuvor nicht vorhanden und haben mit Beginn der Infektion diese akute Totalität ausgebildet.


Die dritte Gruppe enthält Symptome des Konstitutionsmittels, die während der akuten Phase in den Vordergrund treten. In jedem einzelnen Fall wird man eine dieser drei Gruppen besonders deutlich ausgeprägt vorfinden.

Wir müssen uns bei der Verschreibung von ebendieser Ausprägung leiten lassen. Es folgen einige Fallbeispiele, die diese Verschreibungstechnik demonstrieren. Die meisten Fälle wurden in allopathischen Krankenhäusern aufgenommen und parallel zu den klinischen Standardprotokollen homöopathisch behandelt. Nach Verabreichung des homöopathischen Mittels zeigten sich aussagekräftige Resultate, und den Patienten ging es sehr gut.


DIE PANDEMIETYPISCHEN SYMPTOME

Hauptsächlich ausgeprägte Schwäche, die als plötzliche große Schlappheit vor allem in den Beinen beschrieben wurde. Laufen fällt oft schwer. Die Schwäche kann in den Gliedmaßen und im ganzen Körper verspürt werden. Ein weiteres COVID-Symptom ist der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Diese Beschwerden vermitteln den Eindruck einer Anästhesie: eine Art Kollaps und ein betäubter Schwächezustand. Oft sind weder Schmerzen noch Ruhelosigkeit noch sonstige aktive Symptome vorhanden. Schwäche, Anosmie und Verlust des Geschmackssinns sind hier die Hauptcharakteristika.

Auf der seelisch-geistigen Ebene finden wir einerseits einen Mangel an Angst und andererseits ein Übermaß an Angst: Der Patient scheint trotz seines Aufenthalts auf einer COVID-Station keine Angst zu haben. Vielleicht besteht das Risiko von Komplikationen, die sogar zum Tod führen könnten, und dennoch scheint er sich darum keine Sorgen zu machen. Oder er ist munter und aufgekratzt, was befremdlich erscheinen mag.


Das Gegenteil davon ist Panik - Panik und Furcht, allein gelassen zu werden, sich isoliert, im Stich gelassen fühlen: „Was wird mit mir passieren?” Jede dieser beiden seelischen Manifestationen ist zusammen mit der zuvor beschriebenen Schwäche eine Indikation für das Mittel Camphora.


INDIKATIONEN FÜR CAMPHORA:

- Schwäche

- Anosmie

- Verlust des Geschmackssinns

- plötzliche Schwäche, Schwäche in den Beinen

- Gemütszustand munter und angstfrei oder

- Panik/Furcht vor Isolation und Alleinsein


Diese Indikationen finden sich bei den allermeisten Patienten, da dies asymptomatische Fälle sind. Fast 80-85 Prozent aller Fälle sind asymptomatisch, d. h. der Patient hat zwar Symptome, aber keine individualisierten Akutsymptome, fast wie in einer Anästhesie. Diese Fälle profitieren von Camphora.


FALLBEISPIEL 1: Frau, 27 Jahre alt, eine angstfreie Patientin

Die Frau sagte, sie habe zu viele Anrufe entgegennehmen müssen, da jemand in ihrem Haus positiv auf COVID getestet worden war. Sie beschloss, überhaupt keine Anrufe und Messages mehr entgegenzunehmen. Vom Augenblick dieser Entscheidung an fühlte sie sich glücklich und heiter, was auch von jemandem beobachtet wurde, der sie fragte, ob sie auf Drogen sei, z. B. auf Cannabis. Dieser Fall wurde von einem unserer Ärzte telefonisch aufgezeichnet, und auch dieser Arzt bestätigte, dass er sie als ausgesprochen heiter und glücklich wahrgenommen habe. Dieses Gefühl - „Verlangen, die Welt auszusperren, will nicht angerufen werden, ich lebe in meiner eigenen Welt und bin glücklich“ - ist ganz typisch für Camphora.

Wir sehen auch die Schmerzlosigkeit von Opium, das zur selben Unterklasse gehört, nämlich der ersten Unterklasse: optimistisch und heiter. So präsentieren sich etliche Fälle. Wenn wir in das Mitteldiagramm von MacRepertory „Heiterkeit, Schmerzlosigkeit und Optimismus” eingeben, ist Camphora eines der Mittel, die an der Spitze erscheinen.


FALL 2: Frau, Mitte 20 Jahre alt, Patientin in Angst und Panik mit Verlassenheitsgefühl

Hier finden wir ein diametral entgegengesetztes Bild von Camphora. Der Vater dieser Frau war an COVID erkrankt und verstorben. Später wurden sie und ihre Mutter positiv getestet. Die Mutter kam ins Krankenhaus, und die Frau musste zu Hause in Quarantäne bleiben, zusammen mit ihrem sechsjährigen Kind, das ebenfalls positiv getestet worden war. Zu dieser Zeit nahmen wir ihren Fall auf. Wir fragten sie nach ihren derzeitigen Hauptsymptomen, und sie sagte, sie habe große Angst um ihre Tochter, weil sie nicht wisse, wo sie sie unterbringen soll. Niemand wollte das Kind aufnehmen.


Bei der Analyse ihres Gemütszustands sehen wir, dass da ein verlassenes Kind ist, allein und isoliert, und die Frau hat panische Angst: „Was mache ich nur mit meiner Tochter?” Sie fügte hinzu, dass sie sich und ihre Tochter am liebsten umbringen würde, um der Bedrängnis ein Ende zu setzen. Das ist das genaue Gegenteil zum vorherigen Fall. Hier sehen wir Panik, das Gefühl, die Situation nicht ertragen zu können: „Das ist zu viel für mich!”

Sie meinte, alle hätten Angst um ihr eigenes Leben, ihre Verwandten hätten sie verlassen. Sie fühlt sich völlig allein und isoliert, was sie in Panik versetzt. Das genaue Gegenteil zu:

„Ich habe kein Problem, es geht mir gut, ich bin frisch und munter” — wie auf Drogen.


Wenn wir dies mit den Rubriken des MacRepertory erfassen, erhalten wir: „Verlangen zu töten, Gefühl, im Stich gelassen zu werden, um Hilfe schreien, Verzweiflung, Hilflosigkeit und grippeähnliche Symptome”. Und wieder erhalten wir als Mittel Camphora. Der Patientin half dieses Mittel sehr. Sie wurde ins Krankenhaus aufgenommen und nach dem Standardprotokoll behandelt, doch es ging ihr gut.


Fazit: Nun haben wir zwei Polaritäten von Camphora gesehen. Die eine war Panik, Isolation und Furcht, die andere das Abkapseln von der Welt bei innerer Heiterkeit und Sorglosigkeit. Wie bei COVID bleiben wir isoliert zu Hause, essen und trinken und lassen es uns gut gehen. Auch diesen Gemütszustand finden wir bei Camphora.


FALLBEISPIEL 3: Frau, 70 Jahre alt, Sauerstoffsättigung unter 90

Ich habe nicht viel Erfahrung mit schweren Fällen, d. h. solchen, bei denen die Sauerstoffsättigung unter 90 gesunken ist oder die künstlich beatmet werden müssen. Doch von den wenigen Fällen, die mir untergekommen sind, möchte ich einen vorstellen.

Es handelt sich um eine 70-jährige Frau mit voller Sauerstoffzufuhr, die unter Atemnot und großer Schwäche litt und nicht aufstehen konnte. Sie klagte auch über Brennen in den Handflächen und im Magen mit Schwitzen am ganzen Körper und unruhigen Gliedmaßen. Aufgrund ihrer Schwäche bekam sie schlecht Luft und konnte sich nicht einmal aufsetzen oder gar aufstehen. Darüber hinaus litt sie unter bitterem Erbrechen und einem bitteren Geschmack im Mund mit Anorexie. Sie sagte, sie sei verwirrt und wisse nicht, wo sie sei - auf dem Fußboden oder wo sonst? Ihr Mund war trocken, und sie hatte wenig Durst.

Sie machte sich Sorgen um ihre Enkel. Einhergehend mit dem Schwindel und der Schwäche hatte sich ihre Atemfrequenz erhöht. Wegen des starken Brennens verspürte sie den Drang, ein kaltes Tuch auf Fußsohlen und Hände zu legen. Sie erhielt alle 6 Stunden Camphora 10 M. Die ausgeprägte Schwäche mit dem Verlangen, etwas Kaltes auf die Gliedmaßen zu legen, ist eine gute Indikation für Camphora. Sie erholte sich sehr gut und wurde zur selben Zeit ebenfalls nach dem Standardprotokoll behandelt.


DIE TOTALITÄT DER AKUTSYMPTOME

Schauen wir uns nun den Akutzustand an. Hier finden wir entweder die pandemietypischen Symptome, gegen die wir Camphora verschreiben können, oder wir bekommen eine Reihe akuter Symptome, aus denen wir die akute Totalität herleiten können. Dies geschieht auf der Basis der Eigentümlichkeiten von Frost-, Hitze- und Schweißstadium, der Zeitmodalitäten und

Begleiterscheinungen sowie anderer Beschwerden, wie Kopf- und Gliederschmerzen, Dyspnoe, Husten usw.

Wichtig ist auch der Allgemeinzustand des Patienten: Ist er ängstlich, entspannt, matt und schläfrig oder aktiv? Hat er Appetit und Durst, schläft er gut, träumt er in der Akutphase? All diese Informationen werden beim Fallgespräch gesammelt und können zu einem spezifischen Akutmittel hinführen.


FALLBEISPIEL 4: Mann, 36 Jahre alt, Fieber, Halsentzündung: Bryonia

Der Patient hatte lediglich Fieber. Bei einer Körpertemperatur von 38,1 °C wurde er nach drei Tagen auf die Intensivstation eingewiesen. Sein Hals war entzündet und trocken, er hatte gesteigerten Durst und war schläfrig.

Bei der Befragung gab er an, dass er während des Fiebers im Bett bleiben und schlafen wolle. Hier zeigt sich uns ein anderes Bild; starker Durst, Trockenheit und der Wunsch, im Bett zu bleiben und zu schlafen. Das passt haargenau auf Bryonia. Bryonia möchte nicht gestört und behelligt werden. Das Hauptsymptom ist hier nicht Schwäche, sondern eine Kombination aus Trockenheit, Durst und dem Wunsch, im Bett zu bleiben, ohne gestört zu werden.


FALLBEISPIEL 5: Mann, 36 Jahre alt, Existenz- und Todesangst: Arsenicum album

Der Patient hatte dünnen Stuhlgang und ein Völlegefühl im Bauch mit übelriechendem Stuhl. Wenn er an seine Krankheit dachte, wurde ihm ganz schwach. Die Hauptsymptome dieses Falls waren übler Geruch und Angst wegen der Krankheit, Schwäche und Herzklopfen - nicht die Angst vor Isolation, die wir bei Camphora gesehen haben.

Hier dreht sich die Angst um die Frage: „Was wird mit mir, mit meiner Gesundheit geschehen? Sie wird sich verschlechtern, ich werde sterben, etwas wird außer Kontrolle geraten.” Er sorgt sich um seine Arbeit und um finanzielle Probleme und glaubt, alles zu verlieren - Geld, Gesundheit, Job.

Er hat immer Wert auf Ordnung und Sauberkeit gelegt. Warmes Wasser brachte Besserung. Schwäche und Angst, Unfähigkeit, vor 3 Uhr morgens einzuschlafen (Zeitmodalität), und die Befürchtung, Arbeit, Geld und Gesundheit zu verlieren - all das sind spezifische Themen von Arsenicum album.


Im Periodensystem steht Arsenicum in der 4. Reihe mit den Themen Geld, Sicherheit, Zuhause, Arbeit, Gesundheit und Ausdauer. Es steht auf der rechten Seite, wo das Gefühl vorherrscht, alles zu verlieren, während Bryonia vor allem seine Komfortzone braucht und nicht gestört werden will. Bryonia will sich nicht bewegen, verweigert jede Veränderung und will nur im Bett bleiben - das ist das Thema der 4. Unterklasse des Pflanzenreichs.

Kommen wir zum Fall zurück. Wir finden hier die Rubriken:


„Denken an die Beschwerden verschlimmert, Diarrhö während Fieber, übler Geruch, Verlangen, nach Hause zu gehen, besser durch Reden, Angst mit Schwäche und Herzklopfen, Schlaflosigkeit bis 3 Uhr”. Bei der Repertorisation sind all das Indikationen für Arsenicum album. Wir haben nun die akuten Manifestationen von Bryonia, Arsenicum und Camphora gesehen. Der Patient erhielt dreimal täglich Arsenicum album.


POTENZWAHL UND WIEDERHOLUNG

- Stehen Gefühle und Lokalsymptome im Vordergrund, brauchen wir die Potenz 200.

- Stehen Allgemeinsymptome, Gemütszustand und Träume im Vordergrund, brauchen wir die Potenz IM.

- Wenn die Symptome sehr ausgeprägt sind (z. B. ausgeprägte Schwäche oder andere ausgeprägte Symptome), heißt das, 

  dass die Empfindung und der Energielevel im Vordergrund stehen, und dann müssen wir die Potenz 10 M geben.

- Die Wiederholung hängt von der Intensität ab. Ich lasse ein Mittel normalerweise zweimal täglich einnehmen, bei größerer Intensität dreimal täglich und in sehr akuten Situationen alle drei Stunden. Sobald die Symptome nachlassen, reduzieren wir die Häufigkeit, setzen das Mittel ab und geben dem Patienten dann ein Placebo.



DAS KONSTITUTIONSMITTEL

Eine weitere wichtige Entdeckung bestand darin, dass in vielen Fällen auch während der COVID-Infektion das Konstitutionsmittel des Patienten angezeigt war. Hier ist das Hauptsymptom das Symptom des Patienten, das schon früher bekannt war. Das ist der chronische Zustand, der sich im Akutzustand präsentiert. Dieses Phänomen trat in sehr vielen Fällen auf.


FALLBEISPIEL 6: Mann, 26 Jahre alt, Krampf, Kampfsport, Leistung: Cuprum metallicum

Der Mann ist Arzt und wurde von einem Arzt in unserem Team nach seinen Beschwerden befragt. Er begann seinen Bericht folgendermaßen: „Ich interessiere mich für Kampfsport, ich mag Bruce Lee, ich betreibe Fitnesssport, trainiere täglich eine Stunde. Dabei lasse ich andere auf meinem Bauch stehen, um fit zu bleiben. Wenn ich von fünf Personen angegriffen werde, verkrafte ich das. Ich kann auch fünf Einbrecher auf einmal überwältigen.”

Wir wollten etwas über die COVID-Infektion und die Symptome erfahren, und dieser Mann erzählte etwas ganz anderes. Der Schwerpunkt lag also woanders.

Selbst unter COVID interessiert er sich für Kampfsport. Im Zusammenhang mit der Krankheit sagte er: „An einem Tag habe ich mehr trainiert, und vielleicht sind deshalb meine Oberschenkel angeschwollen, worauf schweres Erbrechen folgte. Ich konnte nicht mal Wasser trinken. Alle zwei Stunden erbrach ich, konnte nichts im Magen behalten. Fühlte sich an, als würden beim Erbrechen meine ganzen Därme rauskommen. Als hätte ich Knoten im Darm.”

Diese Eigentümlichkeit ist interessant, denn wir versuchen immer herauszufinden, was an einem COVID-Fall eigentümlich ist. Er klagt über Knoten im Darm, schweres Erbrechen, als würden die ganzen Därme herauskommen, fast wie bei einem heftigen Krampf.


Dann erzählte er von sich selbst und erwähnte, ihn hätten Obama und Abdul Kalam inspiriert, weil man sich noch nach ihrem Tod an sie erinnert. Auch er wollte, dass nach seinem Tod ein Foto von ihm da sei und man sich an ihn als an einen Mann erinnere, der etwas Gutes getan hat. Dann sprach er über den Irak und Syrien, die man nicht hätte angreifen dürfen, da unschuldige Menschen getötet wurden.

Er wollte als ein guter Mensch in Erinnerung bleiben, der gute Arbeit geleistet hat, mit einem guten Namen und Respekt. Wir sehen, dass er hier über seine Leistungen spricht. Er wollte etwas so Gutes leisten, dass die Leute sich an ihn erinnern würden. Seine seelischen Themen hier sind: angegriffen werden, stark werden, Kampf- und Leistungsfähigkeit entwickeln. Das alles sind Themen des Mineralreiches.


In Reference Works geben wir also ein: „Knoten in drei Begriffen von Darm, angegriffen in drei Begriffen von Wahnidee (hat das Gefühl, dass man ihn angreifen wird) im selben Mittel wie Knoten im Darm (die Empfindung von Knoten im Darm)” (2): cann-i., Cupr. Als Ergebnis erhalten wir Cuprum metallicum.

Cuprum ist ein Mittel gegen schwere Krämpfe. Alles geschieht krampfhaft, konvulsiv, heftig, es tritt Erbrechen auf - und das war sein Hauptsymptom. Er erhielt Cuprum metallicum, und sein Zustand besserte sich enorm.

Als dieser Mann seine COVID-Geschichte erzählte, schob sich sein ursprünglicher Zustand in den Vordergrund mit den Akutsymptomen von Knoten im Darm und schweren Krämpfen mit Erbrechen, was uns zum Mineralreich und zu Cuprum führt. Cuprum ist das Mittel, das Kampfsport betreiben will, da es das Gefühl hat, dass es plötzlich angegriffen werden könnte, es also in der Lage sein muss, sich zu verteidigen.


MITTELWECHSEL

Fälle, in denen ein individuelles Mittel benötigt wird, haben einen weiteren sehr wichtigen Aspekt. Wir müssen in solchen Fällen sehr aufmerksam sein, denn es kann die Notwendigkeit auftreten, das Mittel zu wechseln. Hier ein Fall, in dem die Patientin Camphora, Arsenicum und China erhielt.


FALLBEISPIEL 7: Frau, 26 Jahre alt, Mittelwechsel von Camphora zu Arsenicum album zu China

Die Frau war positiv auf COVID-19 getestet worden und zeigte seit zehn Tagen Symptome. Sie hatte an irgendwelchen Sitzungen im Haus teilgenommen und war auf einmal müde geworden. Bei der geringsten Anstrengung begann sie, stark zu schwitzen. Sie war sogar in Ohnmacht gefallen und war sehr geschwächt, woraufhin sie Herzklopfen und ein leichtes Fieber bekam.

Sie wurde ins Krankenhaus eingewiesen, wo man den Verdacht auf eine Infektion der Harnwege hatte, aber schließlich eine COVID-19-Infektion diagnostizieren musste. Sie war deprimiert und nicht in der Lage zu verstehen, was mit ihr geschah. Ihrem Vater war es nicht gut gegangen. Sie fragte sich: „Warum passiert mir das?”

Aufgrund der Schwäche und der Pandemie-Symptome erhielt sie zuallererst Camphora. Beim Follow-up am nächsten Tag konnte keine deutliche Veränderung oder Besserung festgestellt werden. Wenn ein Mittel keine Besserung bringt, müssen wir unsere Verschreibung überdenken.


In der Homöopathie gibt es kein Patentrezept, kein Einheitsmittel, mit dem jeder Fall geheilt werden kann. Dieses Mittel ist gut, doch kein Mittel passt zu jedem Fall. Wenn die Symptome wechseln und wir keine Besserung feststellen, müssen wir das Mittel ändern. Diese Frau entwickelte eine große Schwäche und begann, Wasser schluckweise zu trinken. Sie hatte auch große Angst um die Gesundheit ihres Vaters und ihre eigene. Veränderungen in der Sauerstoffsättigung machten ihr noch mehr Angst. Das waren gute Indikationen für Arsenicum, das sie alle 6 Stunden bekam.

Im Hinblick auf ihre Ängste und ihre Energie ging es ihr am nächsten Tag viel besser, und sie konnte auch wieder gut schlafen. Sie war optimistisch, hatte weniger Angst, der Husten hatte sich gebessert, und deshalb machten wir mit Arsenicum album 1M weiter.


Dann geschah etwas Interessantes. Obwohl sie gesagt hatte, es gehe ihr besser, bat ich sie, mehr über sich selbst zu erzählen. Sie sagte, alles sei in Ordnung, sie hätte letzte Nacht nur bis 4 oder 5 Uhr nicht schlafen können. Ihr seien ständig Gedanken über die Zukunft im Kopf herumgegangen, sie habe über Ideen und Pläne nachgedacht und deshalb nicht einschlafen können.

Auf weitere Befragung hin meinte sie, sie könne nicht aufhören nachzudenken, das sei jedoch gar nicht einmal unangenehm. Ich bat sie, etwas mehr über sich zu erzählen, und sie sagte, sie sei ein sehr kreativer Mensch und schreibe auch gern Bücher. Auf diese zusätzliche Information hin wurde mir klar, dass sie China brauchte und nicht Arsenicum. Wir mussten sie also bitten, mit Arsenicum aufzuhören und stattdessen China zu nehmen, da nicht mehr die Ängste von Arsenicum im Vordergrund standen, sondern eher die Angeregtheit von China.

Auf diese Bitte antwortete sie mit „nein“, da es ihr nach Arsenicum doch jetzt besser ging. Ich musste ihr ein wenig bestimmt entgegentreten, woraufhin sie einverstanden war, China zu nehmen.


Wenn die Indikation für ein Mittel verschwindet, müssen wir das Mittel wechseln, selbst wenn es dem Patienten besser geht, denn wir müssen nach dem veränderten Zustand verschreiben, der sich im jeweiligen Augenblick zeigt.

Mit China kehrte am folgenden Tag ihre Angst zurück, und sie behauptete, sie hätten mit Arsenicum weitermachen sollen. Sie sagte: „Es ging mir gut, und Sie haben dem ein Ende gesetzt.” Psychologisch gesehen, kamen ihre Ängste wieder zum Vorschein, trotzdem machte ich mit China weiter, weil ich wusste, dass China ihr Konstitutionsmittel war und das Beste für sie sein würde.

Am nächsten Tag ging es ihr wieder normal. In solchen Fällen müssen wir wachsam bleiben. Wenn es dem Patienten nicht besser geht, müssen wir das Mittel wechseln. Doch auch, wenn es ihm besser geht, seine Symptome und sein Zustand sich aber verändern, müssen wir das Mittel wechseln.


Kommentar: Einer meiner Kollegen, Dr. A. K. Arun aus Delhi, hat viele symptomatische und asymptomatische COVID-19-Patienten behandelt. Er hat eine Excel-Tabelle mit 70 Patienten erstellt, die er ausschließlich homöopathisch behandelt hat. 58 Patienten erhielten Camphora, zwei Arsenicum, vier Bryonia, drei China, und zwei bekamen Eupatorium perfoliatum. Allen Patienten halfen die jeweiligen Mittel sehr. Mithilfe dieser Daten wissen wir nun, dass wir nicht jedem Patienten Camphora oder Bryonia geben müssen, sondern dass noch viele andere Mittel infrage kommen können, mit denen wir uns befassen sollten.


Ich möchte mich bei den Ärzten und Kollegen bedanken, die in der Behandlung von COVID-Fällen mit mir zusammengearbeitet haben: Dr. Shrikant Talari, Dr. Sonali Bhonsale, Dr. Faiza Khan, Dr. Meghna Shah, Dr. A. K. Arun, Dr. Kshiti Mehta, das Team vom Prana Homoeopathy Yoga Center in Pune und das Team von der Akademie „The Other Song“ in Mumbai. Einige ihrer Fälle wurden in diesen Artikel aufgenommen, da wir sie gemeinsam behandelt haben.



https://www.dzvhae.de/wir-koennen-zur-behandlung-von-covid-19-erkrankungen-beitragen/