Pius Felder

P r a x i s     f ü r     K l a s s i s c h e     H o m ö o p a t h i e


Was die Homöopathie der Psychotherapie voraushat


Manchmal finden sich in der Homöopathie glückliche und wertvolle Schlupflöcher, wie sie in den mannigfaltigen und komplexen Methoden wie der Tiefenpsychologie (z.B. Psychoanalyse), der Verhaltenstherapie usw. nicht auf diese Art zu finden sind und dem Patienten vollständige Gesundheit bringen können.


Dies liegt am ersten Grundsatz der Homöopathie, dass Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden kann. Dieser beruht auf der empirischen Erkenntnis, dass die gleiche Wirkkraft einer homöopathischen Arznei am Gesunden Geistes-, Gemüts- und Körpersymptome hervorrufen kann, die beim Kranken geheilt werden können.


Zur Veranschaulichung ein kurzes Beispiel aus der Praxis. Ein schwer depressiver und junger Mann erzählte nach einem schon zweieinhalb Stunden dauernden Gespräch, wie er Stimmen höre. Die genauere Befragung ergab, wie er in seinem Kopf zwei sich widersprechende Stimmen wahrnehme. Die eine fordere ihn auf Gutes zu tun. Dann kommt die andere und will ihn zu bösen Taten verleiten. So geht das immer hin und her.


Im homöopathischen Repertorium, einer Symptomensammlung findet sich eine Rubrik: Wahnideen, Illusionen; hört Stimmen. Diese Rubrik führt über achtzig homöopathische Arzneien, die ein solches Symptom hervorrufen können. Aber welche Arznei braucht nun unser Patient? Bei noch genauerem Nachfragen spricht er von einem Engel auf der einen, dem Teufel auf der anderen Schulter, die ihm zuflüstern.


Eine Unterrubik von Stimmenhören beschreibt genau diese Wahnidee: der Teufel spricht in das eine Ohr, ein Engel in das andere, der eine drängt ihn, einen Mord zu begehen, der andere dagegen, dass er eine gute Tat vollbringt. Diese Unterrubrik enthält Anacardium orientale als einzige Arznei. Und ist dies nun die Arznei, die unser schizoider Patient braucht?


In der Materia Medica, dem Beschrieb der homöopathischen Arzneimittellehren, steht bei Anacardium: Die Situation ist eine Art Kindesmissbrauch. Übermäßig strenge Eltern zwingen dem Kind all ihre Wünsche auf und lassen es nicht selbst denken oder etwas tun. Es kann keine eigenen Entscheidungen treffen, so dass es nicht einmal entscheiden darf, was es anziehen soll. Wenn es anfängt, eigene Entscheidungen zu treffen oder den Erwartungen, die an es gestellt werden, nicht gerecht wird, wird es grausam bestraft. Also versucht es, diesen Erwartungen gerecht zu werden, indem es sich gehorsam und engelsgleich verhält und hervorragende Leistungen erbringt. Dies passte exakt zur Lebensgeschichte des Patienten.


Im Weiteren wird beschrieben: Anacardium fühlt sich oft hintergangen und verraten, v.a. wenn Versuche fehlschlugen, jemandem zu vertrauen, von dem sie Unterstützung erwarteten. Sie suchen eine Art Verschmelzung in einer Beziehung, auch als Erwachsene und würden gerne wie ein Baby an der Brust des Partners hängen. Entsprechend wichtig für Anacardium ist eine orale Befriedigung, bedingt durch das übermächtige Gefühl von Misstrauen. Entsprechend grosse Bedeutung haben Alkohol, Tranquilizer, Nikotin und Essen, alles was über den Mund geht, kann ihre Unruhe und Ängstlichkeit abkühlen.

Dies wiederum passt zu unserem Patienten. Er befand sich in einer homosexuellen Beziehung zu einem Mann, der ihn dauernd niedermachte und richtiggehend quälte. Abhängig und unterwürfig verharrte er in dieser Beziehung und entwickelte keine Explorationsmöglichkeit, gleichsam wie er es im Verhältnis zu seinen strengen, lieblosen und ihn bestrafenden Eltern erlebt hatte.


Der Patient erhielt Anacardium und diese homöopathische Arznei befreite ihn vollständig von Stimmenhören, er löste die schreckliche Beziehung auf. Er fängt auch beruflich ein neues Leben an und lebt heute in einer glücklichen Beziehung zu einem anderen Mann.



Ein weiteres kurzgefasstes Beispiel. Es handelt sich um eine junge Studentin der Rechtswissenschaften mit Zwangsneurosen wie Händewaschen und Kontrollwahn sowie zahlreichen bizarren Wahnideen. Wenn sie z.B. mit dem Auto unterwegs war, überkam sie plötzlich das Gefühl, sie habe jemanden überfahren, worauf sie umkehren und sich überzeugen musste, dass dem nicht so war. Wenn sie bestimmte Gegenstände anfasste, hatte sie das Gefühl, das könnte jemandem schaden oder Unglück bringen. Aus Angst vor einer Infektion wusch Sie sich unzählige Male am Tag die Hände. Wenn sie aus dem Hause ging, kontrollierte sie mehrmals, ob nicht noch der Kochherd angeschaltet, der Wasserhahn wirklich zu, die Tür geschlossen war usw. Dauernd hatte sie das Gefühl, irgendetwas werde geschehen.


Die Patientin hatte schon einige homöopathische Arzneien erhalten, zeigten aber keine grossen Veränderungen in Geist und Gemüt. Auch viele körperliche Symptome wie zum Bespiel eine massive vaginale Leukorrhoe, rezidivierende Blasenentzündungen usw. persistierten.

Bei einer weiteren Analyse zog ich aus dem Repertorium die Rubrik ’Reinlichkeitswahn’ bei, die vierzig Arzneien enthält und die Rubrik ‘wäscht sich ständig die Hände’ mit zwanzig Arzneien und nahm sie unter die Lupe.


In diesen beiden Rubriken sticht die Arznei lac caninum heraus, die im Fettdruck dasteht, was soviel bedeutet, dass sie nicht nur Vergiftungssymptome der Arznei am Gesunden sind, sondern auch klinisch immer wieder verifiziert werden konnten und zur Heilung führten. Und plötzlich wurde die ganze Geschichte rund, da die Patientin in der letzten Konsultation auch von einer Freundin erzählte, die sie so unterwürfig behandle.


Lesen wir in den Arzneimittellehren nach, sehen wir unterwürfige Loyalität als ein Hauptthema bei der homöopathischen Arznei lac caninum, das bei der Patientin erst nach mehreren Konsultation zur Sprache kam und sich in ihrer homosexuellen Beziehung zu ihrer Freundin zeigte.


Sich schmutzig zu fühlen, ist für dieses Arzneimittel ganz charakteristisch. Man wird behandelt wie ein Hund, gedemütigt und besudelt. Lac caninum ein wichtiges Mittel für Inzest und Vergewaltigung, vor allem, wenn das Opfer sich schmutzig und wertlos fühlt. Und tatsächlich gab es bei der Patientin einen sexuellen Missbrauch durch einen Schullehrer, als sie etwa zehn Jahre alt war.


Die Patientin machte nach dieser Arznei einen Verwandlungsprozess durch, der ihre Neurose vollständig zum Verschwinden brachte. Wasch- und Kontrollzwänge und alle Wahnideen gehörten der Vergangenheit an. Selbst zehn Jahre später, als sie an Corona erkrankte, wirkte die gleiche Arznei wiederum bestens.


Fazit: Das waren jetzt zwei kurzgefasste Fallbeispiele. Natürlich präsentieren Patienten und Patientinnen ihre Lebensgeschichte nicht einfach pfannenfertig auf den Tisch. Und die Essenz einer Arznei kann nicht nur mit einem Symptom beschrieben werden. Dazu ist der Mensch zu vielfältig und individuell. Die ganze Geschichte des Patienten sollte dem Arzneimittelbeschrieb möglichst nahekommen. Ein einzelnes Symptom wie zwanghaftes Händewaschen kann aber richtungsweisend sein und als Ideengeber und Werkzeug fungieren. Dies ist ein sicher ein grosser Vorteil gegenüber den herkömmlichen Psychotherapien.Text zum Bearbeiten anklicken. Dieser Baustein besteht aus einem Titel und einem Absatz. Nutzen Sie ihn, um Besucher auf Ihrer Website willkommen zu heißen oder für Beschreibungen Ihrer Produkte und Dienstleistungen ohne Bilder. Wenn Sie die reinen Textabschnitte auf Ihrer Website so kurz wie möglich halten, werden Ihre Besucher beim Lesen nicht so leicht das Interesse verlieren.